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Atemtraining bei Morbus Parkinson




Parkinson-Patienten entwickeln häufig Lungeninfekte und Pneumonien, gelten sogar häufig als Todesursache bei idiopathischen Parkinson-Syndrom. Meist wird diese Atemstörung erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt, gesehen und medikamentös behandelt. Die stark herabgesetzte körperliche Bewegungsarmut (Akinese) wird als Ursache für eine Fehlwahrnehmung der Atmung interpretiert.


Im fortgeschrittenen Stadium entsteht eine Schwächer der exspiratorischen Muskulatur und somit eine eingeschränkter Hustenintensität. Deshalb entstehen Atemwegsinfekte.


Restriktive Störungen werden durch Akinese und Rigidität der Atemmuskulatur verursacht, aber auch als Folge von Haltungsanomalien durch die Brustkyphosierung der Wirbelsäule.


Zunächst kann dies noch durch die Gabe von L-Dopa erfolgreich behandelt werden. Später können paradoxe Atembewegungen mit Tachypnoe (gesteigerte Atemfrequenz), Dyspnoe (Atemnot) und Apnoephasen (Aussetzen der Atmung) entstehen. Die abgeflachte Atmung bringt eine Verkleinerung des Atemzugvolumens mit sich. Schwindel und Müdigkeit können auftreten.


Die Atemfrequenz bei Parkinsonpatienten ist oft deutlich erhöht, die Atmung ist flach und schnell. Bei Patienten mit Sprech- und Stimmstörungen ist die Atemfrequenz noch mehr erhöht.

Ein verstärkter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur ist die Folge. Schon bei leichtem Stress verschlechtern sich die Symptome, Gefühle von Ängstlichkeit und häufig das Gefühl von Atemlosigkeit kommen mit dazu.


Laute Sprechübungen sollten durch zusätzliches Atemtraining verbunden werden.

Ziel ist es, eine Hochatmung mit Einsatz der Atemhilfsmuskulatur zu vermeiden, da dies zu einer großen Atemanstrengung führt.

Eine tiefe, ruhige Bauchatmung sollte deshalb mit einem Atemtrainer in Verbindung mit Atemgymnastik geübt werden.


Viele Bewegungen sind mit der Atmung gekoppelt. Bei Parkinson-Patienten verändert sich das Gangbild, die Schritte werden kleiner, aber die Atemfrequenz steigt.


Durch Achtsamkeitstraining kann das Gehen und der Atemrhythmus angepasst werden, man fühlt sich lockerer und vitaler.

Die Muskeln müssen gelockert und gedehnt werden, alle Bewegungen müssen mit größtmöglichen ROM (range of motion) ausgeführt werden, dadurch verbessern sich die Atmung, Schmerzen und Depressionen.

Ein Bewegungs- und Entspannungstraining kann die Lebensqualität verbessern, am besten sehr frühzeitig und regelmäßig beginnen.

Viele Patienten geben nach dem Training an, mehr Luft zu haben und sich gestärkt zu fühlen.




Das Zwerchfell (Diaphragma)


Das Zwerchfell ist der größte Atemmuskel in unserem Körper. Durch die große Beweglichkeit des Zwerchfells werden die inneren Organe massiert (Verdauung wird mobilisiert), die Lungen können mehr Sauerstoff aufnehmen, der Rücken entspannt und der Oberkörper kann ohne Kraftanstrengung aufgerichtet werden.

Der Muskeltonus der Atemmuskulatur lässt sich durch Übungen lockern, selbst kleinere Muskeln wie die Zwischenrippenmuskeln werden weicher und ermöglichen ein leichteres Atmen.




Atemübung nach Ilse Middendorf


Der erfahrbare Atem: Wir lassen den Atem kommen, wir lassen ihn gehen und warten bis er von selbst wiederkommt.


Damit sind 3 Phasen beschrieben:


- der Einatem kommt und füllt

- der Ausatem entweicht ohne eine Aktivität

- Atempause und Ruhe, bis die Einatmung wieder von selber kommt


Diese Atemform ist der Ausdruck der körperlichen, seelischen und geistigen Befindlichkeit, dies erfordert Geduld. Dieses Zulassen benötigt Übung, das Bewusstsein kann wachsen, die Wirkung ist unmittelbar zu spüren.

Dehnen, bewegen und Tönen wirken auf den Atem, die Wirkung ist groß.



Übungen


- Dehnen

- Klopfungen

- Wahrnehmen der Atembewegung

- Fußarbeit

- Flankensägen

- Tönen SCH

- Nachspüren


können im Liegen, Sitzen oder Stehen durchgeführt werden, je nach Befindlichkeit.


Viele Patienten beobachten nach einer Atemgymnastik eine ruhigeren und gleichmäßigeren Atemrhythmus mit intensiverer Zwerchfellatmung, sowie einer verbesserten Körper- und Atemwahrnehmung.









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